
Dein Leben
Lass dein Leben, dein Er-leben nicht von Angst und mangelndem Selbstvertrauen bestimmen. Alles was du brauchst, hast du bereits, es liegt in deinem Inneren. Befrei es, lebe ein Leben in Freiheit!
Das Wir will auch Leben
Es waren einmal ein Ich und ein Du... So könnte die Geschichte beginnen. Denn so beginnt sie immer. Es finden sich ein Ich und ein Du die zusammen sein wollen. Regelrecht verzweifelt gesucht wird danach. Oft, sehr oft wurde gehofft und resigniert aufgegeben. Was fehlte? Das kann ich dir sagen: Es fehlte das Wir! Eine Paarbeziehung funktioniert nur, wenn es ein Ich gibt und ein Du gibt, das ist dann ein Paar. Die Beziehung aber, soll sie erfüllt sein, braucht das Wir. Nur das Wir hält eine Beziehung am Leben!
Wie sieht das Wir aus?
Was braucht es um zu entstehen?
Wo ist das Wir zu finden?
Und was braucht es, damit es Leben kann?Der Reihe nach:
Wie sieht das Wir aus?
Das Wir kann nur aus einem Ich und einem Du entstehen, das ist die Grundregel. Ohne Ich gibt es das Wir genauso wenig wie ohne das Du. Logisch, denkst du jetzt vielleicht, dazu gehören schließlich zwei. Aber das ist es nicht, was ich damit meine. Lass uns mal ansehen, was geschieht, wenn es kein Ich gibt.
Es finden sich zwei Menschen, aber einer gibt sein Ich auf. Er passt sich dem anderen total an und verliert sein Ich dabei. Er präsentiert sich als Schatten des Du. Das kann auf vielerlei Weisen geschehen.
Zum Beispiel so: „Wenn du nicht willst, dass ich..., dann lass ich es halt...!“ Oder: Wenn du willst, dass ich...., dann mach ich es auch!“
Verstehst du was ich meine? Es geht darum, dass das Ich nur noch das tut, was das Du will oder lässt, was das Du nicht will. Oder vermeintlich will oder nicht will. Oft wird einfach davon ausgegangen, ohne zu hinterfragen, dass das Du dies oder jenes will oder nicht will. Natürlich geht das auch umgekehrt, wenn z. B. das Du sich nur noch auf das Ich einstellt. Schön für den, nach dessen Pfeife getanzt wird? Na ja, überleg mal wie interessant ein Ich oder ein Du sind, wenn es praktisch nur noch ein einziges Leben lebt, nämlich, dass des anderen.
Würden wir dies tatsächlich wollen, dann bräuchten wir keine Beziehung, denn dann reichte es ja, wenn einer dieses Leben lebt. Außer jemand ist diktatorisch veranlagt und sucht einen Untertan.
Tatsache ist, eine Beziehung mit einem Menschen unserer Wahl gehen wir dann ein, wenn uns sein Du gefällt!
Und das soll er doch bitte so beibehalten. Oder?
Ja ich weiß, es gibt auch Menschen, die denken, das wird er oder sie schon noch ändern! Das ist fatal so zu denken, denn damit sperrt man das Wir wieder mal aus. Bitte nicht falsch verstehen!
Das wir neue Verhaltensweisen lernen oder lernen sollten und, dass das Ich oder das Du darauf aufmerksam macht, ist durchaus gesund und manchmal sogar sehr wichtig, um das Wir zu gestalten. Aber das funktioniert wirklich nur, wenn es das Ich oder das Du selbst möchte und darüber nachgedacht hat.Wie sieht es denn nun aus, das Wir?
Das Wir besteht aus einem Ich und einem Du. Beide haben eine klare Definition davon, wer sie sind, was sie möchten und wie in ihren Augen eine Beziehung aussehen soll. Klar sollte auch sein, dass dies der Startpunkt einer Beziehung ist und die Beziehung sich genauso wie das Ich und das Du weiterentwickeln wird. Wie und wohin auch immer! Einfach ausgedrückt sieht das Wir erst mal so aus, wie jeder von den beiden es sich vorstellt. Doch genau darin liegt die Tücke. Das Ich hat sein Bild von einem Wir und das Du ebenfalls. Wie soll man denn jetzt aus zwei Bildern, die bildlich gesehen nebeneinander an der Wand hängen ein einziges Bild gestalten?
Sich für eines entscheiden? Dann passiert genau das, was ich weiter oben beschrieben habe. Ein Bild fällt weg. Das heißt, das Ich oder das Du gibt sein Bild für den anderen auf. Dabei kann garantiert kein lebendiges erfülltes Wir entstehen.
So, das Aussehen des Wir hätten wir nun geklärt. Es ist die Verbindung zwischen zwei Bildern.Was braucht das Wir um zu entstehen?
Ganz einfach, ein neues Bild, bestehend aus dem Bild des Ich und des Du. Wie das geht? Nun, indem man zum Baumarkt fährt, eine Säge holt und dann den einen Bilderrahmen rechts und den anderen links absägt und die beiden dann zusammenklebt und aufhängt. Zweifel? So sehen tatsächlich viele Beziehungen aus. Das Ich und das Du leben nebeneinander her und bleiben zusammen, um nicht alleine zu sein. Nicht gerade erfüllend. Aber immerhin eine Beziehung.
Wenn die zwei Bilder also nebeneinander hängen, dann bleiben sie doch was sie sind. Zwei unterschiedliche Bilder. Oder wo siehst du darin die Gemeinsamkeit? Die Tatsache, dass jeder sein Bild hat? Ja logisch, das ist dann aber auch die einzige Gemeinsamkeit. Ein Wir braucht aber etwas anderes um leben zu können. Wenn beide Bilder jeweils so bleiben, dann heißt das im Klartext nichts anderes, als: „Jeder ist für seine Bedürfnisse selbst verantwortlich!“
„Ja aber das ist doch auch so,“ wirst du jetzt vermutlich fortschrittlich gedacht einwenden. Ich gebe dir ja Recht! Aber betrachte die Sachlage doch etwas genauer. Das Ich ist NICHT verantwortlich für die Bedürfnisse des Du. Das Du ist aber verantwortlich für die Bedürfnisse des Ich.
Halt! Nicht weglaufen! Das war nur ein Scherz! :-)
Das Du ist selbstverständlich ebenfalls wie das Ich nur für seine eigenen Bedürfnisse verantwortlich.
ABER: Für das WIR und das hat schließlich auch Bedürfnisse, für das Wir sind das Ich UND das Du gleichermaßen verantwortlich, dessen Bedürfnisse zu erfüllen! Und dazu müssen das Ich und das Du ein gemeinsames Bild gestalten, damit beide Wissen, wie ihr Wir überhaupt aussieht.
Nehmen wir nun mal an, auf dem Bild des Ich ist ein Paar zu sehen, das gemeinsam kuschelt. Auf dem Bild des Du, ein Paar, das Fahrrad fährt.
Auf dem Bild des Wir könnte es jetzt folgendermaßen aussehen: Ein Paar, das Sonntagmorgen zusammen kuschelt und Nachmittags gemeinsam Fahrrad fährt. Oder eine andere Variante: Ein Paar, dass gemeinsam Fahrrad fährt, und später beim Picknick zusammen kuschelt.
Noch eine Variante gefällig? Ein Paar, das Tandem fährt, mal sitzt das Ich vorne und das Du lehnt sich kuschelnd an und mal sitzt das Du vorne und das Ich lehnt sich kuschelnd an. Zu unbequem? überleg dir selbst ein paar Varianten.
Bestimmt verstehst du was ich meine. Das ich und das Du müssen sich, bzw. ihre inneren Bilder, die sie von einer Beziehung haben auseinander setzen und neu zusammen fügen. Auseinander-Setzungen, das ist das Schlüsselwort zum Wir.Kleiner Exkurs:
Auseinandersetzungen wird umgangssprachlich oft als Streit verstanden. Da das Wort Streit jedoch einen negativen Touch hat, verwende ich bewusst das Wort Auseinander-Setzen. Damit meine ich, das vom Wir, welches ja aus dem Du und dem Ich besteht, eine Grenze gezogen wird. Nämlich die Grenze, dass das Wir sich immer wieder aufs Neue in ein Ich und ein Du auseinander-setzen muss, um wieder ein wandlungsfähiges, flexibles und lebendiges Wir zu werden, damit es nicht in Starrheit verfällt.
Würde das Ich und das Du in einem einmal geformten Wir bleiben, würden beide im Schatten dieses Wir existieren. Somit gäbe es dann in dieser Beziehung ein starres Ich und ein starres Du, die lediglich ein ungesundes Wir bilden.
Sollte eine Auseinander-Setzung tatsächlich in einen Streit ausarten und darunter verstehe ich, dass jeder starr auf seinem Standpunkt beharrt und den anderen glattweg überrollt, ihm nicht mehr zuhört oder ernst nimmt, die Kommunikation mit einer schrillen immer lauter werdenden Tonlage untermalt ist, dann ist es besser, sich erst mal räumlich Auseinander- zu- Setzen. Erst wenn beide sich beruhigt haben und gewillt sind, den Standpunkt des anderen ernst zu nehmen, solltet ihr euch wieder Zusammen-Setzen.Unflexibilität hat schon so manche Beziehung ins Aus befördert!
Das Wir braucht also um zu entstehen die Auseinandersetzung. Das heißt, das Ich bestimmt, was von seinem Bild mit muss, auf das Wir-Bild und das Du ebenfalls.
Darin liegt die Schwierigkeit sagst du?
Hmm, dann braucht ihr entweder eine offenere Kommunikation und einen Umsetzungsplan und/oder professionelle Hilfestellung, bis das Wir-Bild gefestigt ist. Ihr hab bisher kein Wir-Bild gestaltet? Dann mal los, manchmal braucht es mehrere Anläufe und Probeläufe, bis es fertig und tragfähig ist.
Aber ich garantiere euch, wenn ihr euch Mühe gebt und es wirklich wollt, gelingt es auch. Und natürlich:
Ihr müsst stets daran denken, dass das Wir nur aus zwei Komponenten entstehen kann und genau dort die Verantwortung liegt. Im Ich und Du!Wo ist das Wir zu finden?
Zuerst mal in euren Bildern, wie das Wir aussehen soll. Dazu kommt das, was ihr dazu braucht, um ein Wir entstehen zu lassen, eure Auseinander-Setzungen.
Jetzt kommt das Wo ins Spiel. Denn auch das ist wichtig. Das Wo liegt in eurem Verhalten. Das heißt, in der Umsetzung das Wir zu gestalten und lebendig zu machen.Gehen wir mal davon aus, dass das Ich und das Du ein Wir-Bild komplett fertig gestaltet haben und es nun leben soll. Jetzt kommen die beiden zum nächsten Schritt. Wo ist das Wir? Auf dem Bild ganz klar zu sehen. Doch wie wird es nun lebendig? Es wird lebendig in dem Verhalten des Ich und des Du.
Nehmen wir das Beispiel auf dem Wir-Bild, auf dem das Paar zu sehen ist, welches Sonntagmorgens kuschelt und Nachmittags Fahrrad fährt. Jetzt summieren wir das Wo dazu. Das könnte folgendermaßen aussehen:
Das Ich wacht auf, bringt Kaffee und Brötchen ans Bett und beide frühstücken gemütlich. Während des Frühstücks unterhalten sie sich darüber, wo sie heute mit dem Rad hinfahren. Sie werden sich nicht einig und geraten in einen Streit. Das Du hat plötzlich keine Lust mehr zu kuscheln, weil es dazu die Voraussetzung der Harmonie braucht.
Seine Vorstellung von Harmonie, in ihm drin. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte.
Eine wäre, dass das Ich liebevoll einlenkt und auf das Du eingeht, um wieder Harmonie herzustellen. Das könnte funktionieren, wenn es dem Du genügt. Fehlt dem Du aber etwas um seine Harmonie zu spüren, wird es dem Ich nicht gelingen, das Du zum kuscheln zu bringen.Was ist passiert?
Ganz einfach, es sind wieder mal zwei unterschiedliche Bilder am Werk. Das des Du und das des Ich. Was die beiden jetzt brauchen, ist entweder etwas Abstand voneinander, um wieder ins Wir-Bild zu kommen. Oder eine Auseinander-Setzung, damit die unterschiedlichen Bilder sichtbar werden können, um damit eine neue Verhandlungsebene zu schaffen, von der aus sich die beiden dann wieder ins Wir-Bild begeben können.
Vergiss dabei bitte nicht, dass das Wir-Bild sich ebenfalls stetig weiterentwickelt solange es beide zulassen und nicht in Starrsinn verfallen. Du siehst also, dass das Verhalten und somit Wo das Wir ist, eine große Rolle spielt. Wichtig ist auch, das Verhalten von der Persönlichkeit zu trennen. Nicht selten fallen sonst Worte wie es z.B. in unserem Beispiel sein könnte: „Mit Dir kann man nie einig werden, ständig soll es nur nach deinem Kopf gehen. Letztes Mal waren wir schon im Wald. Heute will ich mal an den See.“ „Und was war letzte Woche hä, da hab ich extra wegen Dir....!“
Und so weiter und so weiter. Das kommt dir mit Sicherheit bekannt vor. Und wenn du dich eingefühlt hast, kannst du direkt spüren, wie sich deine Nerven zusammen ziehen und du am liebsten wegrennen würdest. Du weißt jedenfalls sicher, was ich meine. Nämlich, dass in diesem Fall die Person im Mittelpunkt des Angriffs steht und nicht deren Verhalten kritisiert wird. Dabei geht es immer um das Verhalten, denn die Person liebst du ja schließlich. Verhalten kann sich ändern. Die Person wenn sich ändert, ist es nicht mehr die, die du liebst.
Nun zum nächsten Schritt.
Was braucht das Wir, damit es Leben kann?
Du ahnst es sicher schon. Genau! Es ist ein flexibles, wechselhaftes Spiel zwischen Bildgestaltung, der erforderlichen Kommunikation, den Auseinander-Setzungen und dem damit verbundenen Wir-Bild. Dazu kommt die Verhaltensbeobachtung und wenn nötig, neue Verhaltens-Gestaltung.
Das Wir will auch leben. Nur in einem lebendigen Wir finden wir die Beziehung, die wir uns wünschen. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sich eine andere Beziehung wünscht, als eine die voller Liebe und Lebendigkeit, flexibel und wandelbar, beständig und mit der gesunden ausgeglichenen Dosis von Geben und Nehmen, Bestimmen und Folgen, Nähe und Distanz besteht.
Was macht es also oft so schwer, diese Art von Beziehung zu gestalten und zu leben?
Da gibt es einige Stolperfallen, die jedoch beseitigt werden können:
- Bedingungen und die darauffolgenden Machtspiele. Bedenke bitte, dass wirkliche Liebe an keine Bedingungen geknüpft ist.
- Erlernte Beziehungsmuster. Es treffen auch noch zwei total unterschiedliche aufeinander.
- Kommunikationsstörungen wie, fehlende Kommunikation, fehlerhafte Kommunikation, gar keine Kommunikation.
- Mangelnde Flexibilität wie z.B. starres Verhalten. „Es kann und muss so sein und nicht anders!“
- Fehlende Ausgeglichenheit zwischen den Polaritäten Geben und Nehmen, Nähe und Distanz, Bestimmen und Folgen.
- Unbewusste Glaubenssätze.
- Interpunktionen. Bedeutung: Bewertung des Partners und/oder dessen Verhalten ohne zu hinterfragen.
- Mangelndes Wissen um die eigenen Bedürfnisse und/oder die des Partners.
- Gefühle nicht ausdrücken können, oder sie nicht fühlen können.
- Fehlendes gesundes Selbstinteresse, Umgangssprachlich auch Egoismus genannt. Das was allgemein unter Egoismus verstanden wird, ist Egozentrik. Egozentrik heißt: Alles darf und muss sich nur um mich drehen!
Jetzt kennst du die Fallen, die verhindern eine erfüllte Partnerschaft zu leben. Doch so schwer sie auch empfunden werden und sie manchmal erscheinen, so einfach sind oft die Lösungen. Merke: Es ist immer wertvoll an der Beziehung zu arbeiten! Ohne etwas zu tun läuft gar nichts, nicht mal ein Kind, welches das Laufen gerade erlernt. Damit die Beziehung läuft, müssen wir etwas tun. Notfalls auch mal in kurzer Begleitung professioneller Hilfe. Es lohnt sich immer!
Für viele ist das undenkbar. Doch sollte folgendes bedacht werden:
Wenn dein Auto defekt ist und du es selbst nicht reparieren kannst, dann gehst du zum Techniker.
Wenn du krank bist und dich selbst nicht gesund bekommst, dann gehst du zum Arzt. Wenn du Hunger hast und nicht kochen kannst, dann lernst du es, oder du lässt dich bekochen.
Was hindert dich also daran, wenn du in deiner Beziehung nicht weiterkommst, die schließlich ein wichtiges Lebenselixier ist, kurzzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Ich wünsche Dir von Herzen, dass deine Beziehung so läuft, wie ihr es euch wünscht.