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Haus der Gefühle

Ich kenne ein Haus, dort gibt es viele Türen. Einst waren sie verschlossen. Ich öffnete eine Tür nach der anderen. Wut, Trauer, Verzweiflung, Angst, Hoffnung, Freude und Liebe, lauten die Aufschriften dieser Türen. In jedem dieser Zimmer verweilte ich eine Zeitlang. Manchmal war es schwer, ein Zimmer zu verlassen. Ich lernte, jedem Zimmer meine Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn ich ein Zimmer betrete, öffne ich das Fenster, lasse frische Luft herein und schmücke es mit einem Strauß Liebe. Denn diese Zimmer befinden sich dort, wo ich mich wohlfühlen möchte. In meinem Haus.

© Andrea Albus

Kommt dir in diesem Text irgendetwas bekannt vor?

Es gab Tage in meinem Leben, da wachte ich auf und fühlte mich leer. Es gab Tage in meinem Leben, wo ich kaum etwas fühlte. Es gab Tage, da wünschte ich mir, ja was eigentlich... ich wusste es nicht. Doch es gab auch Tage, da wusste ich, was mir fehlte, aber nicht, wie ich dieses Loch füllen könnte. Dann gab es auch Nächte, in denen ich ruhelos war. Nächte, in denen ich wirr träumte. Nächte, in denen die Angst zu spüren war. Angst, vor dem was kommt, aufgrund dem was war. Ich hatte viele Träume und gab viele auf. Ich glaubte an mich und verlor den Glauben an mich. Ich hatte Hoffnung und gab sie wieder auf. Ich fand Zuversicht und zweifelte sie an. Ich fühlte Schmerz und verbannte ihn. Ich fühlte Ungerechtigkeit und kämpfte erfolglos dagegen.

Hast du etwas gefunden, was dir bekannt vorkommt?

Jeder Mensch hat sein eigenes Gefühlsleben, seine eigene Gedankenwelt. Niemand denkt und fühlt ganz genauso wie du. Wenn ich das Gefühl der Liebe oder der Angst beschreiben würde, würde ich es garantiert anders beschreiben als du. Und trotzdem ist es dasselbe Gefühl. Jedes Gefühl ist körperlich zu spüren und doch spürst du das Gefühl der tiefen Liebe vielleicht mehr in der Brustregion, während ich es mehr in der Bauchregion fühle. Doch beide sind wir fähig dieses intensive Gefühl zu erleben.

Ich schicke dich jetzt mal auf eine kurze mentale Reise:

Hol dir bitte in dein Gedächtnis eine Situation in der du einen Fehler begangen hast und am liebsten im Erdboden versunken wärest. Stell dir vor, sie passiert gerade. Hol dir diese Situation so vor Augen, dass du sie noch mal durchleben kannst in allen Einzelheiten. Spüre, wie dein Herz schneller schlägt, wie deine Hände feucht werden und es dir so peinlich ist, dass du am liebsten unsichtbar wärst.

Nimm dir ein oder zwei Minuten Zeit, diese Situation in Gedanken zu erleben.

Und jetzt stell dir vor wie du in der Natur spazieren gehst. Nimm deinen schönsten Spaziergang, an den du dich erinnern kannst, als inneres Bild. Geh in Gedanken alle Details durch. Die Luft, das Grün der Bäume, die Ansicht der Felder. Spür den Duft der Natur. Fühl die Entspanntheit, die sich in deinem Körper ausbreitet. Spüre, wie dein Kopf frei wird. Erinnere dich an das Vogelgezwitscher. Vielleicht huscht dir gerade jetzt ein Lächeln über deine Lippen?

Nimm dir ein oder zwei Minuten Zeit, diese Situation in Gedanken zu erleben.

Konntest du die unterschiedlichen Gefühle spüren, die hochkamen? Hast du sie noch mal durchlebt? Wenn du ganz konzentriert diese mentale Übung ausführtest, konntest du bemerken, wie du ganz bewusst mit deinen Gedanken Gefühle ausgelöst hast.

Gedanken sind Glücksache

Diese Worte hörte ich schon öfter. Bist auch du dieser Meinung? Wenn ja, dann mach dir doch jetzt mal Gedanken über deine Gedanken. Dabei wirst du schnell feststellen, dass du selbst es bist, der diese Gedanken hat und auch noch darüber nachdenken kann. Was bedeutet das für dich? Genau, du selbst gestaltest deine Gedanken! Und nicht nur das, du rufst damit deine Gefühle hervor. So einfach ist das? Ganz so einfach ist es auch wieder nicht, da hast du vollkommen Recht. Denn wir Menschen denken bewusst und unbewusst. Alles was wir bewusst denken, hatten wir vorher bereits unbewusst oder vorbewusst gedacht. Doch mit etwas Übung kannst du lernen, deine Gedanken so zu gestalten, wie DU es möchtest.

Gerade dann, wenn uns unsere Gedanken keine Ruhe lassen, wir uns in einem Gedankenkarussell befinden, dann brauchen wir Hilfe von Außen. Einen Strohhalm, nach dem wir greifen können, kommt uns in solchen Situationen gerade recht. Doch mal ehrlich, wie oft wird dir ein Strohhalm genau dann gereicht, wenn du ihn brauchst? Wer hilft dir, deine Gedanken und Gefühle zu sortieren? Wenn du magst, helfe ich dir dabei. Gemeinsam finden wir heraus, welche Werkzeuge du brauchst und wie du sie am effektivsten einsetzen kannst.

Gefühle sind Informationsquellen

Ich habe erfahren und gelernt, dass jedes Gefühl, welcher Art auch immer, wichtig ist. Es will etwas sagen! In erster Linie geht es nicht darum gute und schlechte Gefühle als positiv oder negativ zu bewerten, sondern darum, jedes Gefühl für sich anzusehen und genau hinzuhören, was es dir sagen will.

Wichtig dabei ist, dass du weißt, dass dieses Gefühl dein eigenes ist und es dir niemand aufzwingen kann. Du bist der Herr deiner Gefühle und dass ist gut, denn damit hast du den Schlüssel in der Hand, dein Leben zu leben und deinen Weg zu gehen.

Oft habe ich bei mir selbst und anderen erlebt, dass Gefühle nicht ernst genommen werden. Als ich weinte hörte ich z. B. den Satz: "Das ist doch halb so schlimm, kein Grund zu weinen!" War ich ärgerlich hörte ich z. B.: "Beruhig dich gefälligst, lern erst mal dich zu benehmen!" Was ist passiert? Meine Gefühle wurden nicht ernst genommen, sondern herabgewürdigt oder einfach nicht verstanden. Meist aus dem Grund heraus, dass der Gegenüber nicht mit Gefühlen umgehen konnte.

Wichtig ist dabei, selbst das eigene Gefühl ernst zu nehmen und genau hinzusehen warum ich es in diesem Augenblick habe. Meiner Erfahrung nach ist ein Mensch, der in der Lage ist, seine Gefühle anzusehen, sich Gedanken darüber zu machen und besonnen danach zu handeln im Einklang mit sich selbst.

So ein Mensch akzeptiert ohne zu bewerten auch die Gefühle anderer. Welcher Art diese Emotionen auch immer sind.

Was denkst du, wenn du z. B. einen aggressiven Menschen beobachtest? Ich weiß aus Erfahrung, dass dieser Mensch momentan nicht in der Lage ist, sein dahinterliegendes Gefühl auszudrücken. Dieses könnte - meistens ist es das auch- ein Schrei nach Liebe und Verständnis sein. Er fühlt sich also aus irgendeinem Grund missachtet. Das dahinterliegende Gefühl ist in diesem Moment also Traurigkeit. Wäre dieser Mensch im Einklang mit sich selbst, würde er mitteilen, dass er traurig ist. Und im günstigsten Fall noch, warum er traurig ist.

Damit wäre eine bessere Kommunikationsebene geschaffen, als wenn er durch die Gegend wütet. Auf diese Weise erreicht er nur, dass man sich von ihm abwendet. Auch ist es der Kommunikation wesentlich zuträglicher, wenn er einfach nur mitteilt, dass er wütend ist. Dann könnte er gemeinsam mit seinem Kommunikationspartner herausfinden, was ihn so wütend macht. Damit gibt er seinem Gegenüber auch die Chance auf ihn einzugehen.

Mal ehrlich, wenn ein wütender Mensch auf dich zustürmt, dich beschimpft und seine Aggressivität zum Ausdruck bringt, wie reagierst du dann? Und wie reagierst du, wenn ein Mensch dir ehrlich seine Gefühle mitteilt?

Nur so gelingt konstruktive Kommunikation. Zugegeben, das ist nicht immer ganz einfach, doch mit etwas Geduld und Verständnis klappt es meistens.

Natürlich auch im umgekehrten Fall.

Falls es in irgendeinem Bereich deines Lebens eine schwierige Kommunikationsebene gibt, reiche ich dir gerne einen Strohhalm...